Therapie

Verhaltenstherapeutisch ausgerichtete Psychotherapie für Kinder und Jugendliche ist entwicklungsorientiert. Das heißt, ihr oberstes Ziel ist es, eine altersgemäße, normale Entwicklung zu ermöglichen. Konkret bedeutet dies, dass es darum geht, dem Kind/Jugendlichen dabei zu helfen, aktuelle Entwicklungsaufgaben (wie z.B. Schuleintritt; Orientierung in der Gruppe der Gleichaltrigen u.ä.) erfolgreich zu bewältigen und damit eine solide Basis für die weiteren Schritte auf seinem Lebensweg zu schaffen.  

 →Jeder neue Schritt und jede angenommene Herausforderung macht Kinder stärker und gibt mehr Selbstvertrauen und Übersicht!

Die moderne Verhaltenstherapie, auch als kognitive Verhaltenstherapie bezeichnet, bezieht sich immer auf alle drei Aspekte menschlichen Erlebens:

○ das sichtbare Verhalten

die dem Verhalten vorausgehenden Gedanken

die durch Gedanken und Verhalten ausgelösten Gefühle 

Zusätzlich zur Betrachtung der individuellen Persönlichkeitseigenschaften, Kompetenzen und Schwierigkeiten eines Kindes oder Jugendlichen, werden in der Verhaltenstherapie die ein bestimmtes Verhalten auslösenden Bedingungen analysiert. Jedes Verhalten wird als Wechselspiel zwischen individuellen Voraussetzungen (Gedanken, Gefühle) und äußeren Umständen betrachtet – und nicht als ein Problem, das nur beim Kind liegt. Unter welchen Umständen zeigt sich ein bestimmtes Problemverhalten? Was folgt im Anschluss an dieses bestimmte Verhalten?

Das Kriterium für den Erfolg einer Psychotherapie ist die Realisierung neu erlernter Verhaltensweisen im Alltag. Daher steht immer die Frage im Mittelpunkt: Wie kann ich die Dinge, die ich in der Therapie lerne, verstehe und verändere, nun auch in meinem normalen Leben umsetzen? Dies erfordert von Patienten wie zum Teil auch den Eltern ein hohes Maß an Kooperation.

Teil der Psychotherapie mit Kindern im Kindergarten- oder frühen Grundschulalter ist eine engmaschige Elternarbeit und Erziehungsberatung. In der Therapie des jüngeren Kindes wird es vor allem darum gehen, mit Hilfe von Methoden zur Verhaltenssteuerung, sowie mit strukturierter Spieltherapie und kreativen Medien die Fähigkeiten zur Selbststeuerung zu stärken und die sozialen Fähigkeiten zu verbessern. Für die Bewältigung emotionaler Probleme wird ein sicherer Raum geschaffen, in dem sich das Kind angstfrei ausdrücken kann und spielerisch an der Überwindung seiner Schwierigkeiten arbeitet.

In der Arbeit mit älteren Grundschulkindern und Jugendlichen kommen zunehmend kognitive Techniken zum Einsatz. Mögliche dysfunktionale (z.B. selbstabwertende) Gedanken werden identifiziert und verändert. Auch wird großer Wert auf das Erkennen der eigenen Ressourcen (Stärken, Fähigkeiten, Interessen) gelegt, um diese frei zu setzen und für positive Veränderungen zu nutzen. Die Verhaltenstherapie zielt auf eine Neustrukturierung des konkreten Verhaltens im Alltag (z.B. weniger PC-Nutzung, aktivere Freizeitgestaltung). Im Umgang mit Ängsten, Phobien und sozialem Rückzug steht der Abbau des Vermeidungsverhaltens im Vordergrund, um neue Erfahrungen zu ermöglichen.

Auch körperliche Krankheit kann psychotherapeutische Unterstützung notwendig machen. Chronische Erkrankungen wie z.B. Diabetes, und vor allem auch lebensbedrohliche wie z.B. Krebs stellen für Kinder und Jugendliche eine große Anpassungsaufgabe dar. Gerade in Übergangszeiten (Schuleintritt, Pubertät) kann es zu emotionalen Schwierigkeiten oder Verhaltensproblemen kommen, da die normalen Entwicklungsaufgaben zusätzlich zu den Anforderungen, die die körperliche Erkrankung mit sich bringt, die Kinder/Jugendlichen überfordern können. Tatsächlich muss in jedem Entwicklungsabschnitt ein neuer Umgang mit den Besonderheiten einer körperlichen Erkrankung oder Behinderung gefunden werden. Psychotherapeutisch bieten sich hier viele Ansatzpunkte: der Umgang mit medizinischen Maßnahmen, die Stabilisierung des Selbstwertgefühls, Hilfe bei der Gratwanderung zwischen Autonomiebedürfnis und Abhängigkeit, die Akzeptanz von körperlichen Veränderungen oder Einschränkungen. Aber auch die Bedürfnisse und Nöte der Eltern und Geschwisterkinder sind ein wichtiges Thema. 

Lasst uns das, was wie ein Hindernis erscheint, zum Pfad machen.

                                                                                       Tagore